Domian, Facebook und der Begriff Zensur

Intro

Facebook LogoGestern und heute geisterte es durch das Internet: Domian, ein Moderator bei Einslife / WDR kritisiert die katholische Kirche und dessen Vertreter und bei Facebook werden diese kritischen Stimmen „zensiert“. Als Moderator von verschiedenen Gruppen wurde ich auch schon öfters mit dem Begriff Zensur konfrontiert… ein kritischer Blick auf die Begrifflichkeiten ist angebracht. Vorab: ich mag Domian, haben seine Nighttalksendungen auf Einslife so manche Fahrt zur Fakultät versüßt, wenn ich sonntags von Hameln in die Pfalz fuhr.

Was ist Zensur

Mit der Sache an sich haben sich etliche beschäftigt, von t3n über Kerstin Hoffmann als PR Doktor, Heise, Cicero oder bis hin zu Einzelnen, wie Antje Schrupp in Ihrem Blog. Dabei kommt meiner Meinung gerade der Artikel vom PR Doktor ziemlich nahe. Ich möchte mich nicht zu sehr in das juristische ausschweifen, wer die Begrifflichkeiten sucht ist bei Dr. Carsten Ulbricht Artikel gut aufgehoben. Nur so viel: Zensur ist ein Begriff, dass stattliche Kontrollen greifen und die freie Meinungsäußerung, gerade der Medien, einschränken. So ist zum Beispiel der Eingriff durch die GEMA in das Geschäftsmodell von YouTube keine Zensur.

Man sollte den Begriff nicht auch verwässern: Man hat Alternativen und sollte diese auch nutzen. Wenn man einen Provider nicht mag (oder meint, dieser würde einen zu stark einschränken), so sollte man die Konsequenzen ziehen. Im Fall Domian hat dieser die Infrastruktur von Facebook für seine Reichweite genutzt und ein beachtliche Fangemeinde aufgebaut. Die Konsequenz der Nutzung ist aber auch, dass er mit Facebook als Betreiber leben muss.

Löschen von Postings ist nicht schön und hinterfragenswert. Hier hat Facebook (erstaunlicherweise) auf die Kritik reagiert:

Wir möchten, dass Facebook ein Ort ist, wo Menschen offen diskutieren können, ihre Fragen und ihre Meinung äußern können, während die Rechte und Gefühle anderer respektiert werden. Einige Kommentare und Inhalte können für jemanden störend sein – Kritik an einer bestimmten Kultur, Land, Religion, Lebensstil oder politische Ideologie, zum Beispiel. Das allein ist kein Grund, um die Diskussion zu entfernen. Wir glauben fest daran, dass Facebook-Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern, und dass wir in der Regel diese Inhalte, Gruppen oder Seiten, die sich gegen Länder, Religionen, politischen Organisationen oder Ideen richten, nicht entfernen.

Entschuldige bitte, https://www.facebook.com/Domian.Juergen!!!

Facebook ist nicht das Internet

Kommen wir zum anderen Punkt: Facebook ist nicht das Internet. Hier kann man abschichten:

Traffic WorldWide FacebookDie Größenklassen sind dabei durchaus proportional. So hat Facebook schon einen großen Anteil am Traffic im WWW (und hat sogar in diesem Jahr erstmals Google überholt), aber das ist nicht alles. Vergleicht man Facebook mit anderen sozialen Netzwerken, so sieht es wie folgt aus:

Anteil Traffic facebook, Twitter, Pinterest, LinkedIn

Die Prozentwerte entsprechen der Nutzung am weltweiten Traffic im World Wide Web. Facebook ist schon groß – aber nicht so dominant, wie man glauben mag. Wie man sieht, hat Facebook 7% des weltweilten WWW Traffics. Toyota hat zum Beispiel 12 % aller verkauften PKW in der Welt hergestellt: Hier würde niemand eine derartig große Vormachtstellung darstellen, wie es immer bei Facebook suggeriert wird.

Extro

Facebbok ist nicht das Internet. Wer mit der Dienstleistung nicht zufrieden ist, sollte sich Alternativen suchen. Das ist nicht böse gemeint: Domian ist kein Privatnutzer, sondern eine Marke, die auf Facebook vertrieben wird (man entschuldige die Doppeldeutigkeit). Wenn er selber sagt, er würde demnächst mehr bloggen, so halte ich das für eine gute Idee.

Stephan Koß/Google+
Autor: Stephan Koß

13 Kommentare
  1. Stimmt. Facebook ist eben nicht das Internet.

    Oft habe ich das Gefühl, dass Facebooks Fluch und Segen der Like-Button ist. Wenn die Philosophie viel ‚Emotionen-Ausleben‘ ist, ist das normal, dass Menschen sich Gehör verschaffen und ihre Ich-Botschaften senden wollen. Und dann ist da kein ‚Dislike‘ oder ‚Mag-ich-nicht‘ Button, sondern nur der Button: ‚Diesen Inhalt als anstössig melden‘. Schwupp, ‚draufgeklickt-und-besser-gefühlt‘ ist die Maxime. Unreflektiert. Aber auch schwierig. Denn auch negative Emotionen müssten eigentlich kanalisiert werden, wenn man es friedlich halten möchte …

    Ich gehe davon aus, dass es Arbeitsanweisungen gibt, die sagen: bei x-Anstössig-Meldungen = Beitrag löschen. Und das ist hier geschehen. Ok, das ist nicht schön und für Domian ärgerlich. Aber es menschelt auch bei Facebook – und kann in den besten Großorganisationen passieren. Facebook hat sich bei Domian entschuldigt und eigentlich sollte damit auch gut sein.

    • Lieben Dank. Ich wollte halt mal darstellen, dass man den Begriff „Zensur“ nicht dauernd missbrauchen sollte. Wenn in Nord Korea die Medien kontrolliert werden, dass ist Zensur. Und die Reaktion, wenn es nun ein Fehler war, von Tina war eigentlich sehr menschlich und okay. Wer sich immer noch stört, soll selber bloggen…

  2. ishp sagte:

    „Wer sich immer noch stört, soll selber bloggen…“ So ein Satz erschüttert mich. Gerade auf diesem Blog, das ich sonst ganz gerne lese. ‚Zensur‘ oder ‚Filtern‘ oder wie man es auch nennen mag ist mehr als „Wenn in Nord Korea die Medien kontrolliert werden“. Und so einen Vorgang mit ‚Menscheln‘ zu entschuldigen, sieht nicht was dahinter steckt: Es gibt offensichtlich keine Ebene, die willkürliches Löschen nur auf Grund einer (mehrerer) ‚Anstößig-Meldungen‘ überprüft. Wenn es den einzelnen Mitarbeitern per Arbeitsananweisung (“ x-Anstössig-Meldungen = Beitrag löschen“ )überlassen ist, Beiträge zu löschen ist das höchst brisant.

    • Hallo Herbert,

      aber ist es bei LinkedIn oder Xing anders? LinkedIn hat vollautomatisiertes Crowdsourcing (genau wie beschrieben von Dir), bei Xing ist es noch undurchsichtiger. Was wäre Dein Alternativvorschlag? Facebook ist ein Unternehmen und bestimmt, wo es lang geht und macht die Vorgehensweise noch vergleichsweise transparent. Hier verstehe ich die Amis nicht immer, eine Brust wird gelöscht und Werbung mit „Kille so schnell wie möglich“ stellt kein Problem dar. Ich möchte die Vorgehensweise nicht komplett entschuldigen. Wenn Facebook es so tut… dann ist es so.

      lG
      Stephan

      • ishp sagte:

        Hallo Stephan, ich war ein paar Tage mit anderen Dingen beschäftigt, deshalb erst jetzt die Reaktion, entschuldige.

        Das Facebook das Hausrecht ausübt und ausüben kann, ist formell unbestritten. Ich selbst nutze Facebook – wie auch andere Social Networks – nicht als mein ‚Hauptsprachrohr‘. Im Gegenteil, ich habe auf meinem Blog unter dem Stichwort ‚Sind wir die Digital Sharecropper‘ in mehreren Beiträgen auf die Gefahren hingewiesen, seine „Früchte auf fremdem Land anzubauen.“

        Aber hier geht es nicht einfach um Formalia, Hausrecht und ‚Alternativen‘. Gunnar Sohn hat das so beschrieben: „Aber natürlich zensiert Facebook Inhalte. Es ist einfach zu kurz gedacht, hier die alte juristische Diktion ins Spiel zu bringen und sich auf Rechtsbegriffe der Vergangenheit zu beziehen.“ Hier der Link zu seinem Artikel: http://t.co/kvhWeVbT3c

      • Hallo Herbert und Danke für die Antwort.

        Die juristische Diktion erweitern zu wollen, bedeutet, Facebook als „quasi-Staat“ zu deklarieren. Das finde ich nicht hilfreich. Daher bleibe ich bei der alten, vielleicht antiquierten, aber dennoch rechtsgültigen Definition.

        Facebook ist auch nicht allein: Gerade bei So.Cl (was ich zwischenzeitlich sehr mochte) wird das Hausrecht rigoros durchgesetzt, was ich sehr bedauer.

        Was mir fehlt, sind realistische Alternativvorschläge.
        lG
        Stephan

      • ishp sagte:

        Hallo Stephan, Gunnar Sohn will die ‚ juristische Diktion‘ nicht erweitern, sondern eune neue Definition von Öffentlichkeit.

        Möglicherweise gibt es ja bei weiteren Restriktionen in den Networks eine Abstimmung mit dem ‚Abmelden‘-Button. Kurzfristige Alternative kann nur ein/e selbstgehostete/s Website/Blog sein. Was machst Du denn, wenn WordPress den Laden schließt oder verkauft?

        LG
        Herbert

  3. Hallo Herbert Peck ( ich nehme an, das ist der richtige Name hinter ishp )
    – wer nicht nur lesen, sondern verstehen kann, ist klar im Vorteil!
    Hier hat niemand etwas entschuldigt. Und nebenbei bemerkt, auch wenn Sie mir absprechen, dass ich sehe, was dahinter steckt: Ich persönlich akzeptiere jedermanns Hausrecht, auch das von Facebook – Social Media Rules und freie Meinungsäußerung hin oder her. In meinem Wohnzimmer mache auch ich meine Regeln. Facebook ist in privatem Besitz und macht die Regeln für: Facebook. Und hier haben sie sich sogar entschuldigt. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun.
    Obendrein, wer selbst fehlerfrei ist, kann gern den ersten Stein werfen … Lieber Herbert Peck, sind Sie so fehlerfrei?

  4. ishp sagte:

    Hallo Barbara Brehmer, ja, der Name ist richtig, aber warum so polemisch? Ich habe nur auf die Gefahr hingewiesen, die das Löschen von Einträgen ohne überprüfende objektive Instanz beeinhaltet. Aber was soll es, Hauptsache ist ja, dass Sie es verstehen.

  5. Timo sagte:

    Hallo Stephan,

    interessanter Beitrag.

    Dennoch sehe ich die genannten Punkte aus dem Abschnitt „Facebook ist nicht das Internet“ anders.

    Sicher wenn man den gesamten Webtraffic als Maßstab ansieht, dann ist Facebook sicherlich nicht das Internet. Dennoch halte ich den Wert von 7% des gesamten Webtraffics schon für einen hohen Wert.

    Sucht man beispielsweise nach dem Marktanteil von Social Networks ergibt sich ein anderes Bild.(Visits in US/ source: http://www.dreamgrow.com/top-10-social-networking-sites-by-market-share-of-visits-january-2013/)

    Facebook 61.82.54%
    Youtube 21.33%
    Twitter 1.85%
    Pinterest 1.22%
    Yahoo! Answers 0,90%
    Google+ 0,73%
    LinkedIn 0,83%
    Tagged 0,55%
    Instagram 0,37%
    Tumblr 0,34%

    Facebook halt also einen Marktanteil von über 80%
    Hinzu kommt noch dass bis auf Google+ sämtliche Netzwerke einen anderen Fokus haben. Youtube für Videos, Linkedin für Business…etc.

    Insofern passt der Vergleich mit Toyota nicht, da es wirklich eine Reihe von Alternativen gibt, die ein gleichartiges Produkt herstellen( VW, Nissan, Chevrolet,. Wenn Sie einen PKW kaufen möchten, und mit dem Hersteller nicht zufrieden sind, dann bringt es Ihnen nichts, wenn es andere Hersteller für LKWs oder Motorroller gibt.

    Gerade bei Sozialen Netzwerken heisst es häufig „The Winner takes it all“. Daneben können meist nur Nischennetzwerke überleben. Wenn schon ein Gigant wie Google große Schwierigkeiten hat, eine Alternative zu Facebook zu etablieren, dann ist der Markt bei weitem nicht so offen, wie man meinen mag.

    Das nur meine Anmerkungen dazu, auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass Sie sich vermeintlich mehr an dem Begriff „Zensur“ gestört haben.

    • Hallo,

      wir müssen abwarten, was Google+ macht. Die 0,73 % kann ich nach Alexa nicht nachvollziehen. Aber für viele Facebook Sachen gibt es sinnvolle und gute Alternativen, darauf wollte ich Hinweisen. Aber es ist auch alternativlos: Was könnte man tun, Facebook in das Grundrecht mit aufnehmen? Ich bin gespannt, ich nutze Facebook nur am Rande.

      lG
      Stephan

  6. Timo sagte:

    Korrektur zum oberen Beitrag: Es sind 61,82% statt 80%. Dennoch verschieb sich das Bild, wenn man eben in Betracht zieht, dass viele der Netzwerke spezialisiert sind.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: