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Wikipedia – oder über den Bedarf eines funktionierenden Community Managements

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Logo Wikipedia

Logo Wikipedia – Quelle: http://www.wikipedia.de

Nachdem ich Wikipedia für mir völlig unbekannte Themen immer wieder gerne nutze, entschied ich mich dafür, einen fehlenden Artikel aus dem Bereich Social Media selber zu erstellen. Der Plan gedieh schon seit längerem, doch ich war zu faul, mich mit den Formalien auseinanderzusetzen. Dann fand ich die Zeit dazu, erstellte einen Account und sah mir das Tutorial auf Wikipedia an. Nach kurzer Zeit dachte ich mir, ich könnte es probieren: Immerhin sollen Artikel ja später von anderen editiert und dadurch die Qualität verbessert werden. Da ich selber beruflich mit Adressrisikomanagement zu tun habe und daher mit den Funktionsweisen von Crowdsourcing vertraut bin, gehe ich eigentlich mit Vertrauen an solche Projekte heran

Der Artikel

Der Artikel war von mir recherchiert, ein paar Grafiken wurden erstellt, um Dritten die Übersicht zu erleichtern und Quellen zusammengetragen. Insgesamt waren einige Stunden, ohne den Lern- und Anmeldeprozess mitgerechnet, invesiert. Um 19:26 war der Artikel fertig und online. Sechs Minuten später war der Löschantrag mit einem lapidaren „Unsinn“ da, natürlich in der Wikipedia eigenen Sprache (warum auch facebook sagen, man könnte ja nicht zur Bohème gehören, da musste das obligatorische „Gesichtsbuch“ her). Ich schrieb höflich zurück, erhielt aber keine Antwort (ein späterer Blick in die Protokolle zeigte, dass dieser Mensch ein halbes Dutzend neuer Artikel in Minuten mit den gleichen Worten zur Löschung gestellt hatte). Ein weiterer Administrator schrieb darauf hin, dass er nichts Existenzielles entdecken konnte (natürlich musste Bullshit-Bingo verlinkt sein) und das es so nicht stehen bleiben könnte.

Insgesamt folgen die Administratoren scheinbar im Satzbau dem Muster des SPB – Subjekt, Prädikat, Beleidigung. Eine weitere Nachfrage blieb unbeantwortet…. worauf ich nur unterwürfig um die Löschung bat, da konstruktive Auseinandersetzungen scheinbar nicht im Stile der Wikipedia ist.

Was ist Relevanz?

Eigentlich gibt es keine Irrelevanz. Allein dadurch, dass jemand es schreibt, ist ja die Relevanz als Teil des Weltwissen, was ja Wikipedia darstellen möchte, determiniert. Aber die Diskussion braucht man nicht führen. Ich kenne das Problem aus dem Umfeld des Adressrisikos: Hier werden anhand von Scores Ausfallwahrscheinlichkeiten ermittelt, wozu Banken verpflichtet sind. In der praktischen Anwendung ergibt sich immer wieder erneut das Problem, das einzelne Bankmitarbeiter dem Schwarm misstrauen und ihr Expertenwissen einfließen lassen. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Im Nachgang betrachtet verschlechtern sich diese.

Und hier ist die Analogie zu Wikipedia: Wenn einzelne Individuen einschreiten wird das Ergebnis in Summe verschlechtert.

Community Management?

Erschrocken war ich über den ruppigen Umgangston. Ich bin aus meinen Foren einiges gewöhnt, aber solche administrativen Arbeiten sind nicht zuträglich. Kurz danach stolperte ich bei Heise auf einen Artikel, wo Wikipedia den Rücklauf von Autoren beklagte. Ein Blick in das Forum hierzu gab Aufschluss: Meine Erfahrungen scheinen der Standard zu sein. Unzählige Autoren berichteten genau dasselbe (Oh: Belege? hier oder hier oder hier oder hier oder hier oder hier oder hier……), wobei, ganz Heise untypisch, eine Menge sachlicher Beiträge genau von meinen Erfahrungen berichteten. Dabei stolperte ich über einen Eintrag von Jacob Jung, der in seinem Blog mir aus der Seele sprach.

Woher dieser unprofessionelle Umgangston dort stammt, kann ich so auch nicht erklären. Oft wird ja auf altruistische Ebenen abgezielt, so wie wir es auch bei den Autoren der Din Spec 91253 erlebt haben. Aber ein Ehrenamt sollte niemals unqualitative Arbeit entschuldigen. Ich bin seit 12 Jahren Prüfer bei der IHK und war über Jahre hinweg Vorstand eines Fördervereines. Auch hier hätte ich mich nie mit dem Verweis auf die ehrenamtliche Tätigkeit zu solchen Verhaltensmuster hinreißen lassen.

Wikipedia auf dem Weg zum Kulturerbe?

Im Moment ist ja eine Petition im Umlauf, dass Wikipedia als „Weltkulturerbe“ geschützt werden solle. Allerdings halte ich das für fragwürdig. Ohne eine funktionierende  Moderation ist die Qualität zurzeit an der Parettoscheide angekommen. Eine reine Administration, wie sie aktuell vorgefunden wird, scheint auf jeden Fall nicht mehr zu genügen. Eigentlich schade. Über die Qualität möchte ich gar nicht weiter eingehen, die Wikipedia hat aber offensichtlich ein Problem in der öffentlichen Wahrnehmung. Oder in den Worten eines Gymnasiallehrers meiner Tochter: „Wenn ihr nichts anderes findet könnt ihr auch mal bei Wikipedia schauen.“

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