Warum Netscape gegen Microsoft keine Chance hat – ich meine, Facebook gegen Google


Aktuell wird wieder eine neue Diskussion um die sozialen Netzwerke geführt. Auftakt hierzu kam von Martin Weigert von Netzwertig, der bereits im Titel google-plus-logo-buttonseines lesenswerten Artikels die Tage von Google+ zählt. Neben dem Artikel sind ein Großteil der Kommentare sehr lesenswert.

Die Anzahl der Kommentare liegt nun knapp bei 100. Ein Kommentar dabei fiel mir besonders auf von sprain.ch:

Ich beobachte, dass bei einer auffallenden Anzahl von Personen in meinem Umfeld, die nicht im Web- oder IT-Bereich arbeiten nebst Facebook erst gerade so langsam Twitter ankommt und sie zu verstehen beginnen, was man dort tun könnte. Google+ ist dort einfach viel zu wenig präsent. Sie haben zwar schon mal davon gehört, sich vielleicht sogar eingeloggt, aber dann keinen Anwendungszweck für sich gesehen.

Diese Beobachtung trifft auch auf mein nichttechnikaffines Umfeld zu. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Tage gezählt sind, sondern dass da noch einiges kommt. Falk Hedemann hat viele der Argumente, die ich anführen würde, in einem genauso lesenswerten Artikel aufgelistet.

Insbesondere eine Geisterstadt mag ich auch nicht erkennen. Da konkrete Zahlen schlecht zu ermitteln sind, mal ein anderer Vergleich: Die Likes bei Angry Birds:

Angry Birds Google Plus vs Facebook

Angry Birds Google Plus vs Facebook

Wie man sieht liegt Facebook um Faktor 32 vor Google+.

Aber, kann man einen Erfolg (oder Misserfolg) bereits nach acht Monaten diskutieren?

Der Browserkrieg

Wer sich führ mehr Details interessiert, sei der Artikel aus der Wikipedia zum Thema Browserkrieg empfohlen. Hier kann man viele Parallelen ziehen.

Logo Netscape navigateurMicrosoft schaffte es, seinen (technisch nicht besseren) Browser durchzusetzen, und zwar so, dass der damalige Marktführer Netscape von 80 % auf 4 % sank. Der Erfolg von Microsoft wurde nicht technischen Vorsprunges erklärt, sondern auf Grund von zwei, entscheidenden Faktoren: Geld und Bundling. Zum einen war Microsoft nicht auf den ökonomischen Erfolg des Browser isoliert angewiesen, zum anderen wurde der Internet Explorer mit Windows ausgeliefert und penetrierte so den Markt von allein.

Aus der gleichen Situation heraus handelt nun Google: Zum einen kann es Google+ aus ökonomischer Sicht einfach mitlaufen lassen. Das Geld kommt (noch) aus anderen Kanälen.

Desweiteren ist Google+ kein isoliertes Produkt sondern Teil einer Google Produkt Suite. Nicht umsonst ist Google+ eines am wenigsten blockiertes soziales Netzwerk in Unternehmen…. man kann den Menschen das Arbeitsmittel “Google” wesentlich schlechter nehmen als zum Beispiel Facebook.

Facebook kann nur verlieren

Im Moment kann Facebook eigentlich nur verlieren – Geld, Marktanteile, Kunden. Ich glaube nicht, dass Google+ kurz- oder auch mittelfristig Facebook ersetzen kann (oder sollte). Aber der Markt wurde gerade im Consumerumfeld von Facebook stark dominiert. Google hingegen hat noch gar keine Anzeichen dafür gezeigt, sein Netzwerk zu Geld zu machen.

Aber nur das Implementieren der GoogleAds würde am Geschäftsmodell von Facebook kratzen. Dieses ist so gut wie gar nicht diversifiziert und zielt nur auf Werbung ab. Google könnte nun mit einem Preiskampf schnell Marktanteile erobern. Und das zu dem Zeitpunkt des geplanten Börsenganges. Ich könnte mir vorstellen, dass genau dieses in den nächsten zwei Monaten passieren wird, die “Tools” sind ja quasi bei Google im Haus.

Die Nutzer können nur gewinnen

Im Moment können auf der anderen Seite sind die Nutzer in diesem Falle die “Gewinner”. Ich glaube kaum, dass die Möglichkeit, Spieleanfragen bei Facebook isoliert zu blocken ohne das Konzept von Google+ so schnell gekommen wäre.

Auch das Videosystem: Die HangOuts von Google+ sind weiter entwickelt (Screensharing, Aufnahmen, unendliche Teilnehmerzahl), Facebook konterte im Juli mit einem adaptierten Skypesystem, dass durch Simplifikation glänzt. Jedoch wurde das Facebooksystem von Mark Zuckerberg präsentiert mit den Worten, das es erst mal kostenlos sei. Jedoch dieses jetzt noch zu Geld zu machen, wird schwer.

Eine Monokultur ist für die Nutzer immer schlecht. Von daher sollten sich alle Facebooknutzer einen weiteren Erfolg von Google+ wünschen.

Wie dem auch sei, ich spiele erst mal eine Runde Bejeweled Blitz.

7 Kommentare
    • Ist ja auch nicht böse gemeint gegenüber Facebook sondern nur eine Feststellung, dass es schwierig sein wird, den Marktpenetrationsgrad zu halten. An die “Winner takes it all” möchte ich nicht glauben, eher dass sich zielgruppenspezifische Dienste herauskristalisieren wird. Und danke für den Link.

      lG
      Stephan

  1. “Eine Monokultur ist für die Nutzer immer schlecht. ”

    Das kommt auf die Perspektive an. Für Nutzer eines Social Networks ist es unmittelbar nicht attraktiver, wenn sich Mitglieder auf verschiedene, nicht miteinander kompatible Anbieter verteilen. Genau deshalb haben wir heute nicht viele mittelgroße Netzwerke, sondern einen Big Player.

    • Hallo Martin,

      lieben Dank für den Kommentar.

      Ich kann Deinen Punkt nachvollziehen: Meine Argumentation bezog sich ja auf Funktionen. Diese nehmen im vollen Umfang aber nur wenige Prozent der Nutzer überhaupt wahr. Für die anderen ist die Möglichkeit der Vernetzung wichtiger.

      Worauf ich hinaus wollte ist, dass Google zwei Sachen hat: Geld und Ausdauer. Genau damit (daher mein Beispiel) hat Microsoft seinen Internet Explorer durchgesetzt. Und genau darin findet sich die Strategie von Google wieder. Lass es nur wenige, aktive Nutzer zur Zeit sein, Google kann durch seine Marktpenetration in anderen Märkten seinen Nutzerkreis sukzessive erweitern.

      Liebe Grüße
      Stephan

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