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Nicht jede Panne ist ein Shitstorm – über #evag und den Streisand Effekt


Eine lustige Anekdote aus dem realen Leben des Social Media. Eigentlich alles ganz niedlich. Angefangen hat es mit einem weiteren sogenannten Satire Account auf Twitter: Der Twitter Account VRR Fanpage macht sich lustig über den Nahverkehr im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. So selten sind diese Twitter Accounts nicht, die besten werden sogar in „Top Ten“ aufgelistet.

In wie weit Fake Accounts wirken, konnte man an dem Twitter Account @Telekom_hiIft sehen. Dieser ist abgeschaltet worden, ein offener Brief einer Telekommitarbeiterin ist aber bei t3n noch zu lesen.

Aber zurück zu den aktuellen Geschehnissen: Der Twitter Account VRR Fanpage macht sich systematisch lustig:

VRR Fakeaccount

Problematisch ist hierbei für den unbekannten Nutzer, dass er sich (aus verständlichen Gründen) dem Markenzeichen der VRR bemächtigt. Ein Schadensersatz ist meines Erachtens kaum ableitbar, jedoch eine Abmahnung auf Unterlassung könnte das schon einbringen.

Der „echte“ Twitteraccount der EVAG (Teil des Verbundes) hatte nun den Wunsch sich zu wehren und twitterte:

Tweet der Woche

Der „KommunikationsberaterThorsten Schlautmann setzte diesen Tweet in die Welt. Dass nun der Verbot eines Hashtags nicht gerade einfach durchzusetzen ist, sollte hinlänglich bekannt sein.

Daher ist die Benutzung eines Hashtags in der Außenkommunikation immer schlecht, wie McDonalds aktuell lernen musste: Hier wurde auch ein Hashtag verwendet (Anfängerfehler), der dann gekapert wurde. Dieses kann man auch bei t3n nachlesen (Wieder ein Artikel von Falk, den zitiere ich irgendwie öfters).

Zwar wurde versucht via Twitter zu beschwichtigen:

Getwitterte Hilflosigkeit

Getwitterte Hilflosigkeit

Aber der Tweet war halt in der Öffentlichkeit. Die Reaktionen kamen prompt, aber gewaltig:

Reaktionen EVAG

Es wurde so viel zu „letzter Warnung“ und dem Hashtag #evag getwittert, so dass diese es sogar in die deutsche Top Tweets geschafft haben.

In den Medien (wie hier: Der Westen) wurde das schnell als Shitstorm verkauft. Jedoch wie vorher bei der Ing DiBa halte ich das ganze für keinen Shitstorm, eher um einen zynischen Sturm im Wasserglas- Es war eher eine humoristische Reaktion der Twittergemeinde auf semiprofessionelle Hilflosigkeit.

Der Streisand Effekt

Was uns diese Anekdote lehrt: Der Streisand Effekt. Dieser ist benannt nach der Sängerin Barbara Streisand. Die amerikanische Sängerin entdeckte 2003 auf Luftaufnahmen mit 12.000 Häusern (die dort nur zufällig mit bei der Dokumentation von Küstenerosionen zu sehen waren) ihr eigenes Anwesen und verklagte die Publizisten auf naheliegende 50 Millionen $ und Entfernung der Aufnahmen. Den Prozess verlor sie, jedoch verbreitete sich auf Grund der Klage die Information, dass ihr Haus mit abgebildet sei, in Windeseile.

Diese Tatsache hatte davor außer ihr wahrscheinlich keiner zur Kenntnis genommen. Seitdem heißt dieser Umstand „Streisand-Effekt“:

Wenn versucht wird, eine Information zu unterdrücken und diese erst dadurch publik wird.

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4 Kommentare
  1. Schmitti sagte:

    Erstaunlich, wie sich hier Begriffskonflikte auftun. Noch vor wenigen Jahren hätte ich einen „Streisand-Effekt“, je nach Ursache, eher als Form der Tinituserkrankung vermutet. Genau wie ich feststellen musste, dass „Trolle“ nicht in skandinavischen Wäldern sondern in Web-Foren beheimatet sind. Da muss ich als Linguist schon ein wenig den Niedergang der deutschen Sprache betrauern. Allerdings ist die traditionelle Redewendung „sich sauber ins Knie gef…“ wahrscheinlich zu allgemein gefasst und lässt eine Konkretisierung, welche dem Terminus „Streisand-Effekt“ innewohnt, vermissen.

    Was „Twitter angeht; Erleben wir hier einen Niedergang oder eine Aufwertung? Als Informationsdienst (vornehmlich für Journalisten) ins Leben gerufen hat Twitter inzwischen einen festen Platz zwischen den Sozialen Netzwerken eingenommen. Doch damit wird letztlich die Idee, die Twitter zugrunde liegt ad Absurdum geführt. Denn in seiner eigentlichen Funktion als Plattform für Informationsaustausch taugt es nur noch bedingt. Mal schauen, was als Nächstes kommt. Vielleicht könnte man Vögel trainieren, damit sie kleine handgschriebene Nachrichten… ach ne, zu abwegig.

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