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Facebooks IPO – Ein Börsengang, der 100 Mrd. Dollar wert ist?


Facebook LogoGerade verdichten sich erneut die Gerüchte, eines bevorstehenden Börsenganges des Internetdienstleisters Facebook. Hierbei überschlagen sich die Analysten, ein Marktwert von 100 Mrd. $ wird suggeriert (zumindest laut dem Wall Street Journal).

Es wird berichtet, dass der IPO (Initial Public Offering) bereits ab April bevorstehen könnte. Allerdings ist ein diesbezüglicher Antrag bei der SEC, der amerikanischen Börsenaufsicht, bis dato nicht eingegangen. Somit könnte April jetzt schon eng werden.

Mich würde interessieren, wer den Marktwert von 100 Mrd. taxiert hat oder ob hier auf die Kraft der self fulfilling Prophecy gehofft wird.

Hierzu kann man einige Vergleiche ziehen. Ein Vergleich mit deutschen Unternehmen jedoch kann schlecht erfolgen, da die mesiten nicht auf eine solche Marktkaptalisierung kommen:

Vergleich nach Marktkapitalisierung facebook vs. DAX

Vergleich nach Marktkapitalisierung facebook vs. DAX

Man muss also sich bei den amerikanischen Unternehmen umsehen, um zu verstehen, was eine Marktkapitalisierung von 100 Mrd. $ bedeutet. Hier habe ich zum Vergleich Verizon, PepsiCo, Siemens, Cisco und McDonalds herangezogen, Unternehmen, die zwischen 92 und 107 Mrd. $ wert sind:

Vergleich nach Marktkapitalisierung

Vergleich nach Marktkapitalisierung

Um zu verdeutlichen, was diese Zahlen bedeuten, habe ich mal diese Unternehmen den mir bekannten Zahlen von Facebook gegenübergestellt. Die Daten der anderen Firmen, die als an der Börse geführten Unternehmen öffentlich sind, habe ich von der Plattform Finanzen.Net.

Die Werte habe ich in $ umgerechnet.

Umsatzerlöse

Vergleich nach Umsatz

Gewinn

Vergleich nach Gewinn

Mitarbeiter

Vergleich nach Mitarbeitern

Wirklich 100.000.000.000 $ ?

Die Zahlen habe ich mal dargestellt, um darzulegen, was eine Marktkapitalisierung von 100 Mrd. $ bedeutet.

Die Frage ist: Kann das Geschäftsmodell von Facebook sich so weiterentwickeln, um sich mit den anderen Unternehmungen in dieser Preisregion zu messen?

Zum Vergleich: Neben Einnahmen von Online Game Herstellern wird der meiste Umsatz mit Werbeflächen generiert. Das gesamte Werbebranche hat in den USA 129 Mrd. $ ausgemacht. Also müsste Facebook fast die gesamten Werbebudgets der USA exemplarisch für sich beanspruchen. Da diese Budgets fix sind, würde das bedeuten: Keine Werbeanzeigen, keine Plakate, keine Agenturen. Umgekehrt: Auch wenn die Idee visionär ist, ist Facebook in der Lage, die Umsätze zu versechzigfachen?

Eine Idee wäre, das Portfolio zu diversifizieren, zum Beispiel, Agenturleistungen mit anzubieten. Die Ankündigung, tausende von Mitarbeiter einzustellen, ist ein Anzeichen für eine solche Richtung: Wer könnte die Wirkung von Facebook besser beurteilen als Mitarbeiter von Facebook?

Facebook kennt keine Krisen und Konkurrenz

Im Moment hat Facebook zwei Innovationshemmer: Keine ernstzunehmende Konkurrenz und keine Krisen. Beides sind allerdings Sphären, aus denen Unternehmen Kraft (im Sinne von Ideen und Visionen) schöpfen.

Mit Google+ hat sich das geändert: Noch ist Google+ kein ernstzunehmender Konkurrent. Allerdings wächst auch Google+ enorm schnell.

Und hieraus könnte die erste Krise von Facebook generiert werden: Wie geht das Unternehmen damit um? Fragen, wo der Unternehmung der empirische Background fehlt.

Die Psychologie dahinter

Meine bisherigen Annahmen bis jetzt haben einen Schönheitsfehler: Sie beruhen darauf, dass ein Unternehmenswert fundamental determiert sei. Die Preisbildung an der Börse gehorcht anderen Gesetzen, die im Ausgleich von Angebot und Nachfrage dargelegt werden. Diese Gesetze sind jedoch eher der Psycholgie zuzordnen, als realen Daten.

Der Schritt, jetzt an die Börse zu gehen, erscheint richtig: In einer Phase, in der Facebook von Rekord zu Rekord eilt, ohne von irgendjemand gebremst zu werden. Und so können auch die hundert Millarden richtig sein: Wen genug Menschen daran glauben, so ist der Preis gerechtfertigt.

Ob Facebook diesen Preis längere Zeit Wert ist, muss es dann unter bEweis stellen.

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11 Kommentare
  1. calceola sagte:

    Die Gegenüberstellung zeigt es einmal mehr, die Zahl ist unsinnig. FB macht mit 800 Mill. Usern einen Umsatz von 1,2 Mrd. also 1,5 $ pro User pro Jahr.

    Wir nehmen jetzt einfach mal an irgendwann fällt FB noch ein Geschäftsmodell ein was so einschlägt, dass sich der Umsatz pro User um den Faktor 10 erhöht, sprich 15 $ pro User. Dann braucht sich die Zahl der User ja nur noch um den Faktor 8-9 erhöhen und man kommt auf die 100Mill. Umsatz. Okay würde bedeuten das jeder Mensch auf der Welt einen FB-Account hat.

    Tatsächlich glaube ich, dass bei einem IPO ein paar Jungs und Mädels ordentlich abräumen werden und danach wird es noch einige Zeit dauern bis die Aktie bei einem realen Wert (wo der auch immer liegen mag) anlangt.

    Wenn, dann würde ich glaube ich Puts auf die Aktie kaufen 🙂

  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Die Thematik der Unternehmensbewertung wird beinahe in allen Finanzbereichen gebraucht. Je nach Anlass muss dabei differenziert werden. Der Anlass ist relevant für den Zweck, aus welchem wieder die Funktion abgeleitet wird. Je nach Funktion wird dann das Bewertungsverfahren ausgewählt, welches schlussendlich für den Unternehmenswert verantwortlich ist. Der Unternehmenswert ist jedoch nicht gleich der Unternehmenspreis!
    Facebook war / ist eine Besonderheit der Unternehmensbewertung. Aufgrund des immensen Wachstums und der Innovationskraft sind „alte“ Methoden der Unternehmensbewertung nicht anwendbar. Das Ziel des IPOs war es einen möglichst hohen Preis zu erzielen, was auch gelang. Damals war es ein „objektiver“ Preis, auch wenn dies zu hinterfragen ist, da der Primebroker angeblich unzählige Aktien am ersten Handelstag aufkaufen musste! Nach und nach spiegelt der Aktienkurs jetzt den wirklichen Unternehmenswert /-preis wider!

    • Hallo Martin,

      lieben Dank für den Kommentar. Ich finde den ziemlich hohen Unternehmenswert von Facebook immer noch erstaunlich – das Geschäft ist für mich zu wenig diversifiziert. Beachtet man im Vergleich Siemens, die ein riesiges Portfolio an Dienstleistungen und Produkten hat. Mal sehen, einfach mal drei Jahre abwarten und weitersehen.

      lG
      Stephan

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