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Ist die Timeline das Ende der „Gruppe“ ?

Intro

Erst mal ein paar Gedanken vorne weg: Wir schrieben ca. 2005 / 2006. Wir waren fasziniert des Konstrukts Gruppe. Manche Moderatoren bekamen Kultstatus. Selbstinszenierung in Semiöffentlichkeit war Pflicht.

Schnitt: 2011. In den Gruppen ist wenig los. Liegt das nur am Sommer? Wenn man die Qualität des Sommers sieht: Wohl kaum. Gerade das Wetter ist ja prädestiniert, sich mehr in sozialen Netzwerken aufzuhalten.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? War die „Gruppe“ der Neandertaler der 1:n Kommunikation?

Wie haben sich seitdem die sozialen Netzwerke entwickelt:

Soziale Netzwerke aus deutscher Sicht

Soziale Netzwerke aus deutscher Sicht

Evolution in der Kommunikation in sozialen Netzwerken

Die Beobachtung, die ich bereits im Titel beschreibe, haben sicherlich bereits viele gemacht. Warum hat sich das so gewandelt? Hier ein paar Thesen:

Penetration der sozialen Netzwerke

Noch vor fünf Jahren waren soziale Netzwerke tendenziell eine Randerscheinung. Es gab OpenBC, VZ …. und nicht viel mehr. Der Austausch fand in den Gruppen dort statt. Aber was wäre die Alternative gewesen zu diesem Zeitpunkt? Blogs gab es schon, da hat aber nicht jeder Lust. Aber andere, insbesondere die „Blauen“ aus den USA hatten keinen Einfluss auf den deutschen Markt ….. oder waren schlicht weg noch nicht existent.

Die Aktivitäten konzentrierte sich in den Gruppen aus mangelnden Alternativen heraus und dass die Social Network Aktiven sich dort trafen.

In der Zwischenzeit verteilt sich die Kommunikation, mit all seinen Redundanzen, auf verschiedene Netzwerke. Als neustes hinzu Google+.

Die Metaebene wird irgendwann langweilig

Die Gruppen haben alle ein Thema. Regelmäßig (vor allem bei LinkedIn und Xing, aber durchaus auch bei Facebook) sind diese Themen beruflicher Natur.

Aber schauen wir an, was man diskutieren kann: Über Vorgesetzte / Kollegen? Interessiert in einer Gruppe keinen…und kann zudem im semiöffentlichen Bereich kontraproduktiv sein. Viele Probleme sind auch organisatorischer Natur einer Unternehmung. Dieses hat auch nichts in einem Netzwerk zu suchen.

Also bleiben die Fragestellungen auf der Metaebene, die man gefahrlos auch mit Mitbewerbern et cetera diskutieren kann. Und die Themen sind überschaubar.

Der Weg zur Timeline

So bewegte sich der Trend zur Timeline, also die eigene Sozialisation in den Mittelpunkt zu rücken. Facebook machte es vor, LinkedIn zog schnell nach, Xing später und Google+ verzichtet zum jetzigen Zeitpunkt sogar ganz auf Gruppen, ohne dass es jemanden zu stören scheint.

Der Hintergrund ist logisch: Die Netzwerke bauen damit auf die Verstärkung vorhandener sozialer Strukturen, als auf den Aufbau sehr schwacher, neuer Verbindungen.

Ist das nun gut oder schlecht?

Ein kleines Resümee für mich möchte ich ziehen. So, wie bereits die Bildzeitung herausfand, dass Facebookfreunde keine echten Freunde sind, ist die Pflege vorhandener Strukturen durchaus sinnvoll.

Den Anlaufpunkt in einer Gruppe kann auch sinn- oder sogar segensreich sein. Aber hierzu ist keine tägliche Interaktion notwendig.

Ich denke vielmehr, dass der Rückgang der Aktivitäten in den Gruppen ein gesundschrumpfen auf ein sinnvolles Mass darstellt. Um beruflich zu interagieren muss ich nicht permanent alles und zum hundertsten mal diskutieren. Eine Gruppe kann auch sinnvoll sein als Pool Gleichgesinnter, mit denen man sich bei Bedarf austauscht.

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11 Kommentare
  1. Ich gebe Dir Recht, daß die Timeline einen Teil der Gruppenkommunikation an sich reißt. Das ist die Umsstellung vom Web 1.0 (Unbekannte kommunizieren öffentlich zu einem Thema und lernen sich mit der Zeit auf gewisse Weise kennen) auf Web 2.0 (Kommunikation mit seinen Bekannten–manchmal nur im Bekanntenkreis, aber immer mehr verbreitet sich über die Bekannten der Teilnehmer und auch immer häufiger öffentlich einsehbar).
    Ich sehe das so wie Radio: es ist etwas was ich durchas noch nutze, aber nicht mehr so viel wie früher (hauptsächlich im Auto). Fernsehen ist dagegen bei mir fast komplett untergegangen. Aber Gruppen sind weiterhin sinnvoll und bringen häufig–solange die Quantität & Qualität der Teilnehmer, der Kontext und die Moderation stimmen) Informationen, die sonst in der Flut der Updates in der Timeline untergehen.
    Eine gute Mischung ist die Funktion von LinkedIn, Personen in LinkedIn Gruppen zu folgen. Man kriegt dann nicht alle deren Updates in der Timeline, sondern nur die, die zu dem Thema gehören, für das man sich selbst interessiert.

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