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Nimmt LinkedIn Xing von der Börse 2011?

Immer wieder in zyklischen Abständen kommen Gerüchte auf, ob das amerikanische Business Social Network LinkedIn den deutschen Pendanten aufkaufen könnte. Wurde dieses 2008 gefragt (hier), gingen die Spekulationen 2009 weiter und auch aktuell 2011 wurde diese Frage aufgeworfen.

Hintergrund ist die Kursrallye, die Xing zurzeit durchmacht. Aber wäre ein Akquisition für LinkedIn sinnvoll? Gerade aus deutscher Sicht erscheint eine einfache Eroberung des hiesigen B2B Marktes durch das Einverleiben von Xing darzustellen.

Allerdings gibt es auch Gründe, die dagegen sprechen:

1. Xing ist zu teuer

LinkedIn hat seine Plattform mit bald 100 Mio. Mitgliedern in der letzten Finanzierungsphase mit wesentlich weniger aufgebaut, als Xing kosten würde. Die Börsenkapitalisierung von Xing würde mit ca. 180 Mio. € zu Buche schlagen – im Gegenzug gäbe es 10 Mio. Kunden und einen Jahresgewinn von 4 Mio. €. Aus Gewinnsicht wäre ein Sparbuch lukrativer, und auch 10 Mio. Kunden sind aus Sicht von LinkedIn nicht unbedingt viel, wobei etliche sich sowieso bereits im Portfolio von LinkedIn befinden dürfte.

2. Migration oder doppelte Pflege?

Nach einer Akquisition würde sich die Frage stellen, was machen? Die Plattformen parallel zu pflegen wäre sicherlich zu teuer. Käme eine Migration in Frage? Hierzu fehlen entscheidende Daten, die LinekdIn ausmachen: Die Kontaktpfade sind nicht qualifiziert, die Fragen und Antworten können nicht zugeordnet werden. Die Daten könnten also nicht migriert werden, oder Zusatzdaten müssten von den Mitgliedern erhoben werden: Beides keine reizvollen Alternativen.

3. Kein Squeeze Out

Squeeze Out: So heißt es im Fachjargon, wenn man eine Unternehmung von der Börse nimmt. Dazu müssten mindestens 97 % der Aktien im Besitz sein. Da Xing zu einem großen Teil im Streubesitz ist, wäre diese Grenze schwer zu erreichen sein.

So würde die Rechtsform der AG mit all seinen Publikationspflichten bestehen bleiben, ein hoher administrativer Aufwand im Verhältnis zum Mutterkonzern, der sicher nicht im Verhältnis zur gesamten Konzernstruktur stehen würde.

4. Opportunitätskosten

Was lassen wir, um etwas zu tun? Diese Problematik nennt der BWLer Opportunitätskosten. Auch ein amerikanischer Konzern hat nicht unendlich viel Kapital. Dementsprechend müssten andere Alternativen nicht verfolgt werden. Da LinkedIn noch keine vollständige Vertriebsstrukturen in vielen Ländern hat, wäre Kapital sicherlich dort besser investiert: Können so Gewinne verhältnismäßig einfach abgeschöpft werden. Warum aus Statusgründen etwas kaufen, wenn man das Geld sinnvoller anlegen könnte?

5. …funktioniert ja auch so

LinkedIn hat seine Mitgliederzahl in Deutschland in 1,5 Jahren nahezu verdoppelt, und das mit wenig Marketingaktivitäten. In der Schweiz, als erstes deutschsprachiges Land, wurde Xing sogar überholt. Also: Wozu der Stress?

Fazit

Man kennt nie die Psychologie, aber aus praktischen Erwägungen kann ich mir nicht vorstellen, dass LinkedIn (oder ein anderer großer Anbieter im Social Network Markt) Xing kaufen würde. Das Entstehen dieser Gerüchte ist naheliegend, aber genauer betrachtet würde eine Akquisition eher Geltungsbewusstsein als betriebswirtschaftlichen Kalkül entstammen.

Gewinner dieser Gerüchte ist eher Xing: Ich könnte mir vorstellen, dass eine Kapitalerhöhung in Hamburg angedacht ist: In Zeiten der facebook und LinkedIn IPO Gerüchte könnten diese Gerüchte schön monetarisiert werden. Und frisches Kapital wird dort sicherlich dringend benötigt. Zumindest würde diese Überlegungen den letzten Blogbeitrag zu sinkenden Nutzerzahlen erklären.

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4 Kommentare
  1. Pingback: Quora

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