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Exkurs: Schönes neues Facebook

Heute ein Beitrag zu Facebook, dem größten Social Network für den privaten Bereich.

Facebooks Wachstum ist ungebrochen, seit gestern gibt es für ausgewählte Mitglieder auch eine neue Benutzeroberfläche.

Philipp Kemper (Twitter: @wattnditte) ist manchen bereits als LinkedInsider bekannt. Er hat sich Facebook etwas genauer angeschaut und den folgenden Artikel verfasst.

Schönes neues Facebook

Zur digitalen Morgentoilette meldete ich mich heute morgen bei Facebook an. Und was sehe ich da? Alles schön, alles neu: Eine überarbeitete Navigation – praktisch. Eine neue Spieleseite: übersichtlich. Eine klare Unterscheidung zwischen Nachrichten von Menschen und Spam von Spielen: endlich.

Neue Facebook Homepage

Um im Web 2.0 nicht hinten runterzufallen nehme ich mir ein paar Minuten, um die Änderungen und den digitalen Tag mit einem gehaltvollen Status-Update zu kommentieren. Kurz darauf erreicht mich eine Flut von neidvollen Kommentaren. In diesem Moment wird mir klar, dass ich Facebook-VIP bin. Ich gehöre zu den privilegierten 20%, die das neue Design zuerst zu sehen bekommen. Keiner meiner Freunde hat das neue Design. Status-Neider stellen eilig ihr Profil auf Englisch um aber auch das bringt nichts. Gnädig poste ich einen Screenshot. Auf der folgenden Kommentarwelle surfe ich in den digitalen Sonnenaufgang der Netzwerkelite.

Aus Hannover wird Paris

Stephan hatte kürzlich über Facebooks Niederlassungspläne in Deutschland berichtet. Anlass genug, mal einen genaueren Blick auf Facebook, den Big Mac unter den Social Networks zu werfen. Auf der Burda-Digitalkonferenz verkündete Facebook-Gründer Zuckerberg Anfang 2009 stolze Zahlen: innerhalb eines Jahr ist Facebook in Deutschland von 500.000 auf 2 Millionen Mitglieder gewachsen. Quasi so, als ob aus Hannover zur Größe von Paris heranwächst. Das Wachstum verläuft auch nicht gradlinig, ganz im Gegenteil, es beschleunigt sich zunehmend.

Anm. des Autors, 12.2.2010: 2009 wuchs Facebook von 2 Millionen auf 7.5 Millonen Mitglieder – aus Paris wird London.

Bald jede(r) Zweite

Auch weltweit hat Facebook die Nase ganz weit vorn. Sheryl Sandberg gab auf dem World Economic Forum in Davos bekannt, dass Facebook nun auf unvorstellbare 400 Millionen Mitglieder angewachsen sei. Von denen melden sich täglich 175 Millionen an. Mitte 2010 sei der nächste Meilenstein erreicht: Dann werden sich innerhalb eines Monats 500 Millionen Nutzer bei Facebook anmelden. Das ist immerhin jeder zweite internetbefähigte Erdenbürger. Das sind eindrucksvolle Zahlen.

Social Networks – das neue „Internet“?

Facebooks Reichweite ist extrem. Selbst Internetgigant Google gerät da zunehmend unter Druck: Zum Jahreswechsel wurde bekannt, dass Facebook erstmalig mehr Besucher als Google verzeichnen konnte. Das schlägt sich auch deutlich in den Online-Anzeigen Budgets wieder, der Anteil der Social Networks hat sich in einem Jahr verdoppelt. In Australien ist es bereits eine Tatsache: Social Networks haben den Suchmaschinen den Rang abgelaufen. Kann man da eigentlich noch von einem Internet sprechen? Wohl eher ein Konglomerat von Intranets, zu denen ich mich jeweils beim Betreiber anmelden muss.

Warum Facebook?

Es stellt sich die Frage, was Facebook zu diesem Wachstum verhilft. Aus Benutzersicht: Facebook macht dem Ottonormalsurfer den digitalen Alltag leichter. Email, Chat, Diskussionsforen.Veröffentlichen von News, Fotos, Videos. Spiele. Gruppenkalender und Adressbuch. Facebook macht das alles einfach. Kein Handbuch, kein Support-Hotline. Das meiste erklärt sich selbst, der Rest wird von anderen erklärt. Was braucht man mehr? Nichts. Naja, vielleicht noch ein „Facbook für Business“, um Berufliches und Privates zu trennen. In Deutschland vielleicht auch zwei.

PAI: Abschaffung der Privatsphäre

Bei aller Benutzbarkeit hat es Facebook seinen Nutzern nicht leicht gemacht. Mehrfache Änderungen des Newsfeeds auf der Homepage verärgerten viele, der Ärger verflog aber schnell. Erstaunlicher: Die Änderung der Datenschutzbestimmungen ging im gemeinschaftlichen Sozial-Taumel unter. Erstaunlich, da sie zur Abschaffung der Privatsphäre auf Facebook führte. Klar, die Einstellungsseite für Privatsphäre ist jetzt viel übersichtlicher. Liegt daran, dass es weniger Einstellungsmöglichkeiten gibt. Wo ist die Einstellung hin, dass Applikationen nicht mehr auf meine Daten zugreifen können? Die gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es neuerdings PAI: „publicly available information“. Zu Deutsch: Öffentlich verfügbare Information. Profilbild, Status, Freundesliste, Fanpages, Email-Adresse usw. gehören nicht mehr den Nutzern, sondern sind für alle da. Abschaffung der Privatsphäre? Laut Gründer Zuckerberg ist Privatsphäre eine „alte Konvention“ und somit nicht mehr zeitgemäß. Ähnlich äußerte sich ja bereits Google CEO Eric Schmidt: „Wenn Sie etwas tun, was niemand wissen soll, dann sollten Sie es vielleicht nicht tun“.

Das digitale Kurzzeitgedächtnis

20% der Nutzer sehen das neues Facebook, das sind 80 Millionen User. Da verfliegt jegliche Elite-Stimmung schnell. Doch was verschafft mir die Ehre? Nach welchen Kritierien wird ausgewählt? Reiner Zufall? Dank der allgegenwärtigen Informationsüberflutung werden meine Sorgen bald weggewaschen sein. Genau so wie es damals, nach der Einführung von Google Earth und Google Street-View. Die fortschreitende Abschaffung der Privatsphäre in den sozialen Netzwerken bedarf einer aufmerksamen Beobachtung.

Zur Zerstreuung eventueller Sorgen nun abschließend noch ein paar Leckerbissen für die anderen 320 Millionen, die das neue Design noch nicht kennen. Vielen Dank an dieser Stelle an Folke Renken für die Erstellung des Screencast.

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5 Kommentare
  1. rockaBe sagte:

    Sieht aus als würden sich die Jungs und Mädels von facebook richtig ins Zeug legen, um den ganzen Mitläufern (VZ’s u.a.) davonzuziehen.
    Bin gespannt, wie das Layout dann im Alltag die Funktionalität verändert.
    Spannung!!

  2. Just Play sagte:

    Glauben Sie wirklich, dass Sie zu den VIPs und einer imaginären „Elite“ gehören, weil Sie sich dazu berufen fühlen, gelegentlich mehr oder weniger seichte Einlassungen zum Thema Social Networks ins Netz zu kippen?

  3. Tobias Knobloch sagte:

    Gut geschriebener, informativer Artikel. Zum Thema Privatssphäre dürften aber auch ruhig mal kritische Töne fallen, ist schließlich nicht Gesetz, was die Herren Schmidt und Zuckerberg von sich geben.
    Eine interessante Frage stellt Philipp in der Mitte seines Artikels: Ist das Konglomerat von Intranets noch ein Internet-Äquivalent? Wenn man die Schöpfungsidee des Internet zugrunde legt, dann sicher. Aber es sind auch hier kritische Töne anzubringen: Wer bei den Sozialnetzwerken nicht mitmacht – etwa weil er die jeweilige privacy policy nicht guheißt -, der ist zunehmend draußen, abgeschnitten, exkludiert.
    Eine schöne Formulierung gibt´s gleich zu Anfang: „digitale Morgentoilette“ ist großartig!

  4. Gisela sagte:

    An mir sind die Neuerungen spurlos vorüber gegangen. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich gänzlich unwichtig bin: Ich habe keinen Bauernhof und keine Aquarien, für die ich kleine Tiere adoptieren könnte, und auch der Mafia stehe ich fern. Und meine Morgentoilette beschränkt sich auf mein Badezimmer. Also: Ein zu vernachlässigendes Element? Bin ich darüber glücklich oder fühle ich mich übersehen?

  5. Gisela sagte:

    OOOOhhhhhhhh! Seit heute Mittag ist es so weit. Auch ich zähle in den Kreis der Privilegierten.

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