Recruiting 2.0: Mitarbeiter per Social Media suchen (BranchOut via Facebook)
Intro
Letzte Woche hatte ich ja eine gezeigt, wie man eine Stellenanzeige bei LinkedIn aufgibt. Der klare Marktführer in Sozialen Netzwerken ist zur Zeit Facebook, und dieser bietet mit “BranchOut” (“Verzweigen“) seit wenigen Monaten einen eigenen Dienst an.
Typisch für Facebook: Hier soll eine eigene Philosophie etabliert werden. So betrachtet sich BranchOut selber als Empfehlungswerkzeug und versteht seine Anzeigen weniger als Stellenanzeige, als eher einen Instrument, sich viral zu verbreiten.
Allerdings: Man kann BranchOut nicht so einfach verwenden, man muss sich anmelden. Dann soll man sein Profil angeben, was durch einen Import aus LinkedIn wesentlich vereinfacht werden kann:
Hier kommt auch ein Nachteil zum Tragen: BranchOut gibt es zurzeit nur auf Englisch und so wird auch aus LinkedIn nur ein englisches Profil importiert (zumindest wenn man multilingual eingestellt ist). Danach wird man von einer typischen Oberfläche begrüßt.
Vielleicht bin ich zu Deutsch, oder noch nicht genug auf Facebook konditioniert, auf mich macht die Oberfläche eine mindestens wirren Eindruck. Das ist allerdings meine rein subjektive persönliche Meinung.
Wenn man sich die Teilbereiche anschaut, so merkt man schnell, dass alles auf Netzwerk und Bekannte ausgelegt ist. So fragt mich BranchOut, mit welchen meiner Kontakte ich lieber arbeiten möchte, Karin oder Roland. Beide haben sich noch nicht bei Branchout angemeldet und ich möchte nicht als Werbeträger für diese dienen. So bestraft mich Branchout, dass ich bis jetzt 0 von 4 Tasks erfüllt habe….
Die Jobanzeigen stehen nur verschämt links unten (“Jobs you may like”), wesentlich prominenter ist dargestellt, dass ich nun “SuperConnector” bin!
Die Anzeige
Über “Jobs” ist man nun in der Lage, eine Stellenanzeige zu posten. Hierbei hat man zwei Optionen:
- Posten im Netzwerk (bis zweiten Grades) für 0 $
- Im gesamten Netzwerk posten für 199 $ (Aktuell 99 $)
Wer ein starkes Netzwerk hat, für den ist die Variante eins sicherlich im Preis-/ Leistungsverhältnis unschlagbar. Da von mir nur vier Personen aktuell bei BranchOut angemeldet sind, ist dieses für mich keine spannende Option.
Und 99 $ sind zwar etwas mehr als bei LinkedIn, aber immer noch gut bezahlbar. Für die örtliche Lokalpostille müsste man wesentlich mehr hinlegen.
Und so gelangt man zur eigentlichen Stellenanzeige, die man nun ausfüllen darf:
Das Ausfüllen geht schnell von Statten und hat auch keine nennenswerte Hindernisse – viel zum Clustern muss man allerdings auch nicht angeben. Danach folgt Schritt 2, Bezahlung. Diese geht zwar recht komfortabel via PayPal, aber Alternativen gibt es nicht. Als Rechnung muss die Mail von PayPal ausreichen, auch auf Rückfrage an den Kundenservice gibt es keine weitere:
Na ja, der Betrag ist ja nicht wirklich hoch und bis 150 € sind die deutschen Steuerprüfer äußerst tolerant geworden. Trotzdem dürfte die fehlende Möglichkeit, eine auf den Namen der Unternehmung ausgestellte Rechnung zu erhalten, für viele etwas abschreckend sein. Die Konstellation, dass der Facebookaccount privat ist, die Rechnungen für Stellenanzeigen jedoch auf einen Firmennamen lauten sollen, sollte eher den Regelfall als eine Außnahme darstellen.
Nun findet sich die Anzeige in den Suchbaren von BranchOut.
Das Verbreiten der Anzeige
Wo die Stellenanzeige gepostet ist, kann man dazu übergehen, über Netzwerk und Co darauf aufmerksam zu machen.
Man achte übrigens auf das Logo. Ich habe den Kundenservice gefragt, wie ich das austausche, und schon nach wenigen Tagen kam die Antwort, dass das in der Planung sei aber noch nicht möglich.
Jetzt schon möglich ist das Bewerben der Anzeige
- Über die direkte Ansprache seiner Facebook Kontakte
- Über einen Eintrag über seine Pinnwand
- Über Twitter
Zu 1: Für die direkte Ansprache braucht man ja eigentlich keinen Dienstleister. Trotzdem kann man jeweils eine Person direkt über das neue Job Posting informieren. Warum nur eine, erschließt sich mir nicht, aber ist halt so:
Zu 2: Die nächste Möglichkeit ist, seine Anzeige an seine Pinnwand zu heften. Allerdings werden die Privatssphäreneinstellungen beachtet und so ist die Anzeige nur meinen direkten Netzwerk sichtbar. Ein Umstellen von “Freunde” auf “alle” war nicht möglich.
Zu 3: Wie mittlerweile überall denkbar, kann man seine Anzeige auch twittern. Eine Änderung des Textes ist nicht möglich. Angenehm ist, dass die Anzeige via bit.ly gepostet wird, so dass über ein anhängen eines + an den getwetteten Links man sich die Statistik anschauen kann, wie darauf reagiert wurde. Das Twittern geht recht komfortabel und funktioniert sogar meistens….
…aber nicht immer.
Der Bewerbungsprozess
Der Bewerbungsprozess wird nicht von BranchOut unterstützt. Es gibt keinen Onlinebewerbungsprozess und noch niemals ein “MailTo” steht zur Verfügung.
Auch kann man die Anzeige nicht tracken, es gibt keine Möglichkeit, herauszufinden, wie oft eine Stellenanzeige aufgerufen worden ist und über welchen Weg die Probanden zu der Anzeige fanden.
Fazit
Eine Bereicherung von Facebook ist Branchout allemal. Jedoch zeigen einzelne Details, dass noch nachgebessert werden muss. Aber die Geschwindigkeit der Entwicklungen bei Facebook sind immer sehr schnel und ich würde im Moment davon ausgehen, dass ich unter den Schmerzen eines “Early Adaptors” zu leiden hatte. Das ist in der Autoindustrie nichts anderes.
Was eindeutig für BranchOut spricht, im Netzwerk eine Stellenanzeige kostenlos aufzugeben. Auf Grund der eher geringen Penetration noch uninteressant, so kann sich dieses in vielleicht sogar kurzen Zeitraum ändern.
Allerdings haben wir im Bereich Recruiting eine Evolution erlebt:
Wir sind noch nicht ganz bei drei angekommen, dass meiste wird zur Zeit über Zwei abgewickelt. Ob, gerade in Deutschland, dann die nächste Iteration schon fruchtet, sei dahingestellt.
Aber gerade in Deutschland ist das Private doch eher getrennt und so ist eine vor allem virale Verbreitung stark gehemmt. Ob das nun das Medium ist, vor dem LinkedIn und Xing Angst haben sollten, muss abgewartet werden.
Eine Vergleich zu anderen Sozialen Netzwerken in Deutschland findet sich hier.










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Hallo Stephan,
wieder einmal ein aufschlussreicher Artikel. Hast du via BranchOut schon deutsche Stellenanzeigen inseriert? Wenn ja wie erfolgsversprechend war dein Inserat? Lohnt sich BranchOut zum jetzigen Zeitpunkt wirklich? Vor allem im Hinblick auf den Spamfaktor in Bezug auf die Einladungen und die sehr fragwürdige Datenfreigaben habe ich da meine Zweifel. Danke schon mal für eine Antwort.
Wir haben es letztes Jahr ausprobiert, mit nahezu null Resonanz. Allerdings hast Du ja gesehen, dass die Zugriffe, zumindest international, rapide steigen. An meinem eigenen Netzwerk kann ich das nicht nachvollziehen – das hat aber empirisch auch keine Relevanz.
Wir wollten es im Frühjahr / Sommer neu ausprobieren. Ich werde dann sicherlich berichten.
lG
Stephan
Vielen Dank für die schnelle Info. Ich werde es vermutlich auch mal versuchen, ohne allzuviel zu erwarten. BG Fritz
Man muss sich aber immer vor Augen führen: Das kostet ein paar Dollar, an Stelle von 3.000 € bei Faz oder Monsters….. ein Konzern mag das egal sein, ein kleiner Laden hingegen mag das Einsparungspotenzial für erheblich halten.
Frage ist, wie die Penetration in Zukunft ist. Wenn sich viel anmelden, kann es noch zu einen Konkurrenten von LinkedIn etc. werden.
lG
Stephan
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