LinkedIn kann man mit verschiedenen Anwendungen kombinieren und in einer großen Bandbreite benutzen: Vom Adressbuch hin zu einer vollständigen CRM Lösung (zum Beispiel im HR oder Recruiting Bereich). Dieser Artikel soll sich eher an die Social Network Anfänger richten, um sich gezielt dem größten B2B Social Network zu nähern. Kleine Parallelen zu Guy Kawasaki seien entschuldigt.

1. Was wollen Sie erreichen?

Machen Sie sich vor dem Anlegen ein paar Gedanken. Möchten Sie nur Kategorie B Kontakte (alte Kommilitonen etc.) verwalten oder auch aktiv gefunden werden? Stellt das abgebildete Netzwerk das reale nach oder kreieren Sie ein virtuelles?

2 Wie gehen Sie mit Ihrer Privatsphäre um?

Wie möchten Sie gefunden werden? Sollen Sie auch „ergooglet“ werden können? Wer darf Ihr Photo und wichtiger Ihre Kontakte sehen? Einige Gedanken sollte man sich im Vorfeld machen. LinkedIn bietet hierzu einige Parameter, die wichtigsten hierfür habe ich auf einer Din A 4 Seite zusammengetragen, so dass man diese getrost in ein paar Minuten durchgehen kann.

Diese paar Minuten sollte man aber investieren.

3 Bloß nicht zu viel Geld ausgeben!

Gerade am Anfang wird man dazu verleitet, um eine sogenannte „InMail“ zu schreiben, einen PremiumAccount abzuschließen. Hier liegt ein klassisches Missverständnis vor: eine „InMail“ ist ausschließlich zum kaltkontakten. Gruppenmitgliedern (basierend auf den Privatsphäre-Einstellungen zu jeder Gruppe und den Personen), Kontakten oder auch Moderatoren kann ich immer eine Nachricht schreiben, auch als Basismitglied. Also erst mal langsam das Netzwerk aufbauen. Eine Premiummitgliedschaft ist in 95 % der Fälle gar nicht notwendig. Als Basismitglied können Sie

  • Nachrichten an Kontakte und Gruppenmitglieder senden,
  • die Suche vernünftig bedienen (einschließlich PLZ Suche mit Geotargeting, Stichwortsuche),
  • um Empfehlungen bitten und diese erstellen,
  • Dateien in Ihr Profil integrieren (zum Beispiel ein paar Slides anzeigen),
  • Status Updates anzeigen und bei Lust und Laune mit Twitter synchronisieren,
  • Ihren Blog im Profil anzeigen,
  • einen frei wählbaren Vanitynamen für das Profil erzeugen,
  • ein Unternehmensprofil anlegen / pflegen und
  • …und vieles mehr

4 Pflegen Sie Ihr Profil

Füllen Sie Profil anständig aus. Diese gilt insbesondere für ehemalige Arbeitgeber und Hochschulen, die Sie besucht haben. So werden Sie schneller von ehemaligen Kollegen und Kommilitonen gefunden. Wenn Sie ein Photo hochladen, dann eins welches Ihrer Position entspricht. Lieber kein Photo als ein Spaßphoto von der letzten Party! Gebe Sie ruhig mal 100 – 200 € für einen professionellen Photographen aus, das Photo ist der Eye Catcher auf Ihrem Profil. Eine Investition lohnt sich durchaus (und ist in den meisten Fällen auch steuerlich absetzbar).

Sprechen Sie mehrere Sprachen? Nutzen Sie unbedingt multilinguale Profile (also erstelle ein englisch-, französisch-, spanisch- oder telugusprachiges Profil, LinkedIn unterstützt hierbei 41 verschiedene Sprachen direkt). Hierzu Profil bearbeiten à „Mein Profil in einer anderen Sprache erstellen“.

5 Suchen Sie Ihre Kontakte!

Gehen Sie aktiv auf die Suche nach Kontakten und spreche Sie diese gezielt an und vernetze Sie sich mit diesen. Hierzu bietet LinkedIn viele Möglichkeiten, dieses zu vereinfachen:

  • unter Kontakte nach Kollegen und ehemaligen Kollegen suchen,
  • unter Kontakte nach Kommilitonen suchen (vielleicht hat Ihre Alma Mater auch eine Alumni-Gruppe auf LinkedIn?)
  • Sie können auch einen VCF Daten Abgleich vornehmen
  • Haben Sie einen GMX / GMAIL / YAHOO Mailadresse? Dann können Sie hier einen Abgleich vornehmen und
  • machen Sie einen Outlookabgleich. Das Interessante hierbei: man muss sie deswegen nicht zu LinkedIn einladen (wobei das durchaus empfehlenswert ist. Aber gerade bei älteren Kundenbeziehungen möchte man das nicht zwingend). Der Vorteil: in den Netzwerk Updates wird angezeigt, wenn diese sich unabhängig von Ihnen bei LinkedIn anmelden („Peter Mustermann ist neu bei LinkedIn“). Dieses ist dann ein guter Ansatz, um alte Beziehungen aufzufrischen und diese anzusprechen

Je größer Ihr Netzwerk ist, desto mehr Personen können Sie besser finden. Aber merke: ein Kontakt ist mehr als eine Datenbankverknüpfung bei LinkedIn. Wenn Sie mehrfach Leute ankontakten und diese Ihre Anfrage mit „Kenne ich nicht“ quittieren, so disqualifizieren Sie ihren Ihren Account!

6 Akquiriere Empfehlungen

Empfehlungen wirken. Immer. Zum Einen freut man sich naturgemäß über Lob. Jedoch haben Empfehlungen bei LinkedIn eine wesentlich tiefere Bedeutung als in anderen Social Networks: die Empfehlungen die Sie erhalten hast, fließen in Ihr Ranking mit ein und bilden überhaupt die Grundlage, um in das Dienstleisterverzeichnisaufgenommen zu werden. Merke: das Freitextfeld der Empfehlungen ist das unwichtigste Feld!

Wichtig: Für das Dienstleisterverzeichnis und in das Ranking fließen ausschließlich Empfehlungen von Kunden ein.

Bei LinkedIn sind Empfehlungen qualifiziert, daher der Empfehlende muss angeben, auf welcher Grundlage die Empfehlung ausgesprochen wird. Dieses ist dann auch unmittelbar auf dem Profil sichtbar (Peter Mustermann hat Sie als sein Kunde n mal beauftragt). Diese Vorgehensweise ist auch logisch, denn wenn nur Kollegen Sie empfehlen sagt das vorrangig aus, dass Sie sympathisch sind, aber wenig über die Qualität Ihrer Arbeit. Ein Kunde jedoch wird Sie im Regelfall nur empfehlen, wenn er mit der geleisteten Arbeit zufrieden war.

7 Nutzen Sie den Status Update

…aber sinnvoll. LinkedIn ist keine Singlebörse und wenige werden sich für Ihr Abendessen interessieren. Vor allem: der Status ist kein Twitterersatz! Wenn Sie Ihn zu häufig updaten, nutzen Ihre Kontakte die Möglichkeit, Sie auszublenden. Also nur Statusmeldungen, die im Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit stehen.

8 Nutzen Sie den „Fragen und Antworten“-Bereich

Denn Fragen und Antworten werden auf Ihr Profil verlinkt. Somit können Sie sich als Experte für verschiedene Bereiche profilieren. Stellen Sie umgekehrt eine Frage, bewerten Sie diese nach Abschluss. Somit tun Sie dem, der die beste Antwort gegeben hat, einen nicht zu unterschätzenden Gefallen. Nutze den Fragen und Antworten Bereich als Enzyklopädie, unter Umständen können Sie hier gute Fachleute finden.

9 Nutzen Sie Gruppen

Auch in Gruppen können Sie Experten finden oder Sie sich als Experte profilieren. Hierbei ist Ihre Privatsphäre durchaus geschützt:

  • die Gruppen sind nie nach Google geöffnet und
  • neben Ihren Beiträgen wird die Uhrzeit nicht angezeigt.

Ist Ihr Spezialthema nicht dabei? Schon mal darüber nachgedacht eine eigene Gruppe zu gründen? Der Zeitaufwand als Moderator ist überschaubar Sie bekommen eine überproportionale Reichweite in Ihrem Fachgebiet. Allerdings sollten Sie keine Fanseite für Ihr Unternehmung gründen, hier würden sich nicht viele Mitglieder finden. Beispiel: Sie arbeiten im Marketing einer Im- und Exportgesellschaft für Autozubehörteile. Dann gründen Sie nicht die Gruppe „Fan von Im- und Export Gesellschaft ABC“, sondern lieber eine Gruppe à la  „Handel mit Autozubehör“.

10 Setze LinkedIn effektiv ein

Pflege Sie Ihr Profil, nutzen Sie das Angebot von LinkedIn Zusammenfassungen zu erhalten. Es gibt auch verschiedene Anwendungsfälle, in denen man LinkedIn sinnvoll einsetzen kann.

Beispiel 1: Sie haben einen neuen Kunden / Mandanten: schauen Sie doch mal nach, ob Sie ihn finden: ein gemeinsames Hobby, eine gleiche Hochschule können als Eisbrecher helfen, einen Gesprächseinstieg zu finden!

Beispiel 2: Sie wollen sich bewerben oder sind zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Mach den Gesundheitscheck des Unternehmens: sind viele abgewandert? Vielleicht sogar mehrere von der Position, auf die Sie sich bewerben (wollen)? Dann Obacht! Über das Unternehmensprofil können ehemalige Mitarbeiter angezeigt werden. Sind davon viele in letzter Zeit gegangen?

Zur Effektivität des Umganges gehört auch, ein Social Network nicht als Zeitfresser zu nutzen. Stundenlanges Herumeiern in verschiedenen Gruppen wird nicht viel bringen. Nutzen Sie Tools wie Tweetdeck oder Hootsuite, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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15 Kommentare
  1. Hallo Herr Koss,
    vielen Dank für die sehr wertvollen LinkedIn Praxistipps.
    Alles Liebe aus Wien
    Martin Herget

    • Den Gruß nehme ich gern entgegen….aus der Villa Kumpf, auch in Wien!
      Liebe Grüße
      Stephan

  2. Kristina sagte:

    ich habe mich angemeldet bei linkedin aber jetzt habe ich angst ob man muss nicht zahlen? Ich möchte sie fragen, ob alles bei der linkedin seite kostenlos ist?

  3. Herzlichen Dank für die hilfreichen Texte, die schönen Anleitungen – hat mir schon sehr geholfen.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz ;-)

  4. Lilly R. sagte:

    Hallo Herr Koss,

    vielen Dank für Ihre Hilfe beim Aufbau des LinkedIn-Profils! Eine starke Umgewöhnung, wenn man mit Xing aufgewachsen ist =).

    Liebe Grüße,

    Lilly

  5. janina Müller sagte:

    Hallo Stephan,
    für mein Studium bereite ich momentan ein Referat über Social Media in der externen Unternehmenskommunikation eingehen. Natürlich werde ich auch LinkedIn in diesem Zusammenhang nennen. In deinem Blog konnte ich schon viele nützliche Infos sammeln – erstmal Danke dafür! Nun bin ich auf der Suche, nach einem positiv und einem negativ Beispiel für ein LinkedIn-Unternehmensprofil. Kannst du mir da weiterhelfen?

    Vielen Dank für deine Antwort im Voraus!

    Viele Grüße

    Janina

    • Hallo Janina,

      lieben Dank für das Lob. Ein gutes Beispiel ist die Seite von . Hier sind die “Produkte” und dessen Empfehlungen eine Ansicht wert.

      Negativ empfinde ich Beispiel hier (Aber vorsichtig sein mit solchen Beispiel): Kein Logo, kein Follower, keine Produkte, was soll uns das sagen?

      lG
      Stephan

  6. mmh, ich versteh´s nicht…ich habe mir alle Fakten durch gelesen…aber was ist Linkedin? Für mich liest sich das wie – Facebook nur für die Arbeitnehmer/-geberwelt…?!stimmt das so…? Was für mich soviel heißt wie, ich kann mir ein Profil erstellen…Referenzen, Arbeitsplatz, Wohnort, Berufserfahrung, – der ganze Lebenslauf, etc. eben – und das kann sich dann jemand der für Unternehmen arbeitet, oder sogar der Chef selber anschauen…-er muss dann quasi nicht warten, dass sich jemand bewirbt, sondern sucht sich einfach “Max Mustermann, aus Musterhausen” und schreibt den an, ob Max nicht für ihn arbeiten willl…und umgedreht kann ich das als “Arbeitnehmer” genau so machen…?!…wenn ich das will…

    Hab ich das ganze richtig verstanden, dann würde ich mich nämlich anmelden…ich will nach Schweden auswandern, und wie kommt man leicht an Kontakte…richtig Soziale Netzwerke! =)

    Danke für ihre Zeit die sie aufwenden werden um das hier zu lesen…

    Mfg Christer Ville

  7. LinkedIn ist wirklich quasi Facebook für Erwachsene. Gerade in Schweden ist LinkedIn stark vertreten. Viele wollen Berufliches und Privates trennen, und dann bietet sich so ein Account an.

    lG
    Stephan

  8. Das ist allerdings Mist. Bleibt also nur neue Profilseite mit Zusatz Germany zu erstellen um die Übersichtlichkeit und Usability in den Stellenausschreibungen zu wahren.

    Vielen Dank für die Info und ein schönes WE.

    BG
    Fritz

  9. HGU sagte:

    Besten Dank für die sehr hilfreichen Informationen ohne die das Erlernen eine Ewigkeit dauern dürfte. Allerdings bin ich nur durch Zufall darauf gestossen.

    • Danke für das Lob. So bekannt ist mein Blog auch nicht, aber es dürften sich etliche Tipps darin finden. Schöne Grüße aus Hameln & frohe Weihnachten!
      Stephan

  10. Andrea Biere sagte:

    Hallo Stephan,
    vielen herzlichen Dank für die tollen Tipps zu Linkedin – erarbeite es mir gerade.
    Da sehe ich – auch aus Hameln ; ) .
    Viele Grüße aus der Thietorstraße,
    Andrea

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